BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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7 Weitere Hinweise

7.1 Wiederverwendung ausgebauter Asbestprodukte

Nach § 1 der Chemikalienverbotsverordnung in Verbindung mit Abschnitt 2 der Verordnung sowie nach § 18 GefStoffV in Verbindung mit Anhang IV Nr. 1 dürfen ausgebaute Asbestprodukte nicht wieder verwendet werden. Das Verwendungsverbot gilt für alle Asbestprodukte und umfasst somit auch ausgebaute Dach- oder Fassadenplatten aus Asbestzement. Es gilt uneingeschränkt auch für den privaten Bereich. Ausgebaute Asbestmaterialien müssen einer geordneten Abfallentsorgung zugeführt werden. Davon abweichend ist lediglich für Instandhaltungsarbeiten vorgesehen, dass im Rahmen von Instandhaltungen ausgebaute, unbeschädigte einzelne Asbestzementprodukte wieder angebracht werden dürfen, soweit dies ohne Beschädigung oder Bearbeitung möglich ist (TRGS 519 Nr. 16.2 (3) ). Dies kann z. B. bei der Wartung/Inspektion darunter liegender Einrichtungen oder bei Gerüstverankerungen zutreffen.
Häufig wird die Frage gestellt, was sich unter der Formulierung "einzelne" verbirgt. Geht es dabei um 5 % oder 10 % oder weniger? Zur Beantwortung sollte der gesunde Menschenverstand dienen und nicht durch überzogene Maßstäbe eine formelle Festlegung erzwungen werden, die später den Praktikern noch größere Probleme bereiten wird.

Unter das Verbot fallen auch Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern und das Anbringen von Photovoltaik- und Thermosolaranlagen auf Asbestzementdächern (s. Abschnitt 5.5 ).
Wenn auch bei den Überdeckungen verbal nur Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern ausgenommen worden sind, so gilt das Verbot auch für Überdeckungen an Asbestzementfassaden, da es sich hierbei nicht um Instandhaltungsarbeiten handelt und vom generellen Verbot nur Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgenommen sind.

7.2 Reinigen von Dach- oder Fassadenplatten

Bei der Reinigung von Dach- oder Fassadenplatten können in kurzer Zeit mehr Asbestfasern freigesetzt werden, als dies bei jahrelanger natürlicher Abwitterung geschieht. Um dies zu verhindern, dürfen unbeschichtete Asbestzementdächer gar nicht und alle sonstigen Asbestprodukte nicht mit oberflächenabtragenden Geräten gereinigt werden. Darunter fallen z. B. das Abschleifen, Hoch- und Niederdruckreinigen oder das Abbürsten von Asbestprodukten. Von diesem Verbot sind lediglich emissionsarme Verfahren ausgenommen, die behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannt sind. Dazu ist zur Zeit nur ein einziges Verfahren bekannt (BGI 664, Verfahren BT 19).

Da unbeschichtete Asbestzementdächer nicht gereinigt werden dürfen, ist es nur konsequent, dass auch die Beschichtung entsprechender Dächer verboten ist.

Soweit z. B. Asbestzementfassaden im Zuge von Beschichtungen gereinigt werden müssen, darf nur mit drucklosem Wasser und weich arbeitenden Geräten, z. B. Schwamm, gereinigt werden. Reinigungsmittel können zugesetzt werden. Das Reinigungswasser muss in Rinnen aufgefangen und kann – falls keine besonderen behördlichen Auflagen dagegen bestehen – wie Abwasser entsorgt und dem öffentlichen Kanalnetz zugeführt werden.

7.3 Erkennen von asbestfreien Produkten

Anstelle von Asbestzementprodukten werden schon seit vielen Jahren asbestfreie "Faserzementprodukte" hergestellt. Asbestzementprodukte von asbestfreien "Faserzementprodukten" zu unterscheiden ist nicht einfach, da es kaum offensichtliche oder leicht erkennbare Merkmale gibt.
Bei asbestfreien Formstücken können zum Beispiel die Kennzeichnungen "NT" (neue Technologie) oder "AF" (asbestfrei) angetroffen werden. Bei asbestfreien Faserzementwellplatten kann der Prägestempel mit der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung als Hilfe dienen. Großformatige (> 0,4 m2) Faserzementfassadentafeln besitzen ebenfalls eine Zulassungsnummer, die in Form eines Rollenstempels mit Produktions- und/oder Beschichtungsdatum auf der Rückseite vorhanden sein kann. Asbestfreie Rohre tragen die Norm-Kennzeichnung "DIN EN 588".
Da eine Kennzeichnungspflicht für asbesthaltige Zubereitungen aufgrund der früheren Arbeitsstoffverordnung in Verbindung mit der TRgA 201 ("Kennzeichnung von asbesthaltigen Zubereitungen", März 1983) nur für diejenigen Asbestzementprodukte erforderlich war, die nachbearbeitet werden mussten, war die verbindliche Kennzeichnung von Asbestzementerzeugnissen nicht immer eindeutig.
In Zweifelsfällen wird deshalb dringend geraten, eine Materialprobe analysieren zu lassen. Auch eine Einordnung aufgrund der Farbe ist schwierig. Unverwitterte Asbestzementprodukte sind hellgrau und zeigen teilweise marmorierte Oberflächen, während asbestfreie Produkte im Allgemeinen zementgrau bis gelblichgrau sind. Sind das Lieferdatum und der Hersteller bekannt, können ggf. noch beim Hersteller nähere Auskünfte eingeholt werden.

Kennzeichnung einer asbestfreien Faserzementwellplatte

Kennzeichnung einer asbestfreien Faserzementwellplatte mit Herstellungsdatum und Zulassungsnummer: Woche (19), Jahr (93),Werk (26), asbestfrei (AF), Zulassung (Z31.1-47)

Lüftungsrohr mit Prägestempel

Lüftungsrohr mit Prägestempel "AF"

 

Webcode: M169-9


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